Der Tote

EFlyer Der Tote 3.2.23 im Theater Delly

Eine nicht unbekannte Situation: man erwacht und hat das Gefühl, etwas stimme nicht, sei anders, sei seltsam.

So geht es dem Protagonisten aus Der Tote des lichtensteinischen Autors und Filmemacher Ronnie R. Vogt. Aber was der Protagonist erlebt,  ist kein Traum, ist real, es gibt kein Erwachen aus dunkler Phantasiewelt. Sein Zimmergenosse, der über ihm  im Etagenbett schläft, ist tot. 

Michael Glatthard liest aus dieser Novelle, die der Autor im Untertitel Eine gedankliche Irrfahrt nennt. Musikalisch begleitet wird er von Christine Hasler.

TRAILER

PROGRAMMIERUNG

«(…) Ein tropfartiges Geräusch störte die Ruhe meines nichtssagenden Traumes (…) Ich hatte keine Brille auf, sah gerade nur die Umrisse des weissen Beckens. Ohne den Kopf zu drehen, griff meine Hand auf das kleine Kästchen, das neben meinem Doppelbett an der Wand angebracht war, und ausser einem alten Büchlein mit Kurzgeschichten, einem halb gegessenen Schokoladenriegel vom Automaten, den ich mir irgendwann in der letzten Nacht geholt hatte, und neben meiner Brille nicht mehr viel Platz für anderes übrig liess. Aber wie bereits in den Nächten zuvor war meine Brille im Verlauf der Nacht ihre eigenen Wege gegangen und irgendwo zwischen den wellenartigen Ausbuchtungen meiner Bettdecke verschwunden.»

Wann ist ein Moment vorbei? Wann ist das Jetzt nicht mehr dasselbe, sondern das Neue? Diesen Fragen geht der Ich-Erzähler dieser Geschichte nach. Er wacht auf und entdeckt im Etagenbett über ihm seinen Mitbewohner, tot. Er weiss nicht, ob es ein Suizid ist oder eine Gewalttat. Die Situation überfordert ihn komplett und nimmt ihm alle Kraft zum Handeln. Er schafft es nicht, aufzustehen, er bleibt liegen und stellt sich sogar schlafend. Mit der Hoffnung, die Situation würde sich sowieso von selbst lösen. Immer mehr verheddert er sich in seinen Gedanken, wie er mit dieser Situation umgehen soll und verirrt sich in seinem gedanklichen Labyrinth, taucht ab in ein Meer von Gedanken, Ereignissen und Fragen, stetig verfolgt und getrieben vom Mysterium um den Toten. Und seine Hoffnung, dass jemand das Zimmer betreten und die Situation auflösen, erfüllt sich nicht.

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Ronnie R. Vogt

(*1994) ist Filmemacher und Autor aus Balzers,  Liechtenstein. Während seiner Ausbildung realisierte er neben einigen Kurzfilmen auch einige bisher unveröffentlichte Erzählungen, 2013 bis 2016 drehte er «Reunion Solitaire», einen Experimentalfilm in Spielfilmlänge.

Die Novelle «Der Tote» erschien 2017 als Erstlingswerk im van Eck Verlag, Liechtenstein. 2019 drehte er den Kurzfilm «Heute ist das Morgen von Gestern», welcher 2021 fertiggestellt wurde.

Zurzeit studiert er Informationswissenschaften an der Fachhochschule Chur.

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