Das Leuchten der Erinnerung

Der amerikanische Autor Michael Zadoorian hat mit dem Roman Das Leuchten der Erinnerung einen eindrücklichen Roman über eine Beziehung geschrieben, der traurig und hoffnungsvoll zugleich ist. Er beschreibt die letzte Reise eines Paares, das auch im eigenen Leben sich dem Ende des Lebens annähert, ohne Larmoyanz und mit zärtlichem Respekt.

Silvia Jost und Hanspeter Bader, beide regelmässig Gäste bei der Lesereise, gestalteten diesen Abend, Andreas Berger war für die Einrichtung des Textes verantwortlich. 

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«Aus der Gegend um Detroit, in der wir unser ganzes Leben verbracht haben, starten wir in westlicher Richtung quer durch den Bundesstaat. Bisher verläuft die Reise friedlich, und wir kommen gut voran. Der leichte Luftzug, der durch mein Ausstellfenster weht, lässt ein geschmeidiges vollendetes Rauschen entstehen, das uns begleitet, während wir uns Kilometer um Kilometer von unseren alten Ichs entfernen. Der Kopf wird klar, die Schmerzen lassen nach, die Sorgen lösen sich auf, und sei es auch nur für ein paar Stunden. John schweigt, macht hinterm Steuer aber einen zufriedenen Eindruck. Er hat einen seiner ruhigen Tage.

Ein seit 50 Jahren verheiratetes Paars, Ella und John Spencer, die in Massachusetts an der Ostküste der USA leben, wollen noch einmal auf Reise: über Virginia und Texas nach Key West in Florida, um das Haus Ernest Hemingways zu besuchen. John hat lange Jahre als Englischlehrer gearbeitet und ist ein großer Fan der Werke Ernest Hemingways. Als die beiden gemeinsamen Kinder noch klein waren, hat die Familie viele Reisen durch die USA unternommen – in ihrem Wohnmobil mit dem Namen «Leisure Seeker».

Der Roman, aus der Sicht von Ella, erzählt, was diesen beiden Menschen auf ihrer Reise widerfährt. Es ist ein nicht ganz unproblematisches Vorhaben, denn Ellas Tage sind gezählt, der Tumor, der bei ihr entdeckt wurde, hat schon gestreut, ihr Mann John leidet an Demenz, kann kaum noch gestern von heute und morgen unterscheiden. Aber da er körperlich noch einigermassen fit ist, und fahren kann, wagen sie die Tour, trotz des Widerstands ihrer Kinder und der Ärzte. So besteigen sie mit über achtzig ihr altes Wohnmobil und fahren, die Route 66 entlang, zu den Orten, die für sie und ihr Leben eine Bedeutung hatten. Ella ist die Hüterin der Straßenkarten und die Wächterin der Käse- und Tablettenrationen. Und gerade sie will sich dieser Reise stellen – auch wenn sie sich davor fürchtet, dass auch ihre Liebe dem Vergessen geweiht sein kann.

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Michael Zadoorian

* 26. Februar 1957 in Detroit, USA, ist Autor mehrerer Romane und Kurzgeschichten. Er absolvierte ein Studium in Creative Writing. Er hat – nach eigenen Angaben – als Rasenjunge, Werbetexter, Journalist, Sprecher, Spionagetalent, Schiffssaalangestellter und Pflanzenwächter für Chrysler gearbeitet. Sein zweiter Roman «The Leisure Seeker» (deutscher Titel: Das Leuchten der Erinnerung) wurde 2018 mit Donald Sutherland und Helen Mirren in den Hauptrollen verfilmt.

Als lebenslanger Bewohner der Gegend von Detroit lebt er mit seiner Frau in einem Bungalow von 1936, der mit Katzen und Gegenständen gefüllt ist, die sich in den Häusern anderer Menschen befanden.
www.michaelzadoorian.com

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