Kiki Beach

Liebesgedichte von Verena Stauffer
Alle Rechte kookbooks

Wie über Liebe schreiben? Wie Liebe zu einer Person beschreiben? Es gibt wohl  wenig literarische Formate, die mit dem Phänomen Liebe stärker assoziiert werden, wie das Gedicht. Und von Verena Stauffer wird geschrieben, dass sie das Liebesgedicht neu erfunden hat. Mit Kiki Beach stand sie im Juni 2025 zuoberst auf der Bestenliste des ORF.

Die Schauspielerin Milva Stark gestaltet diesen Abend zum Abschluss der Lesereise-Saison, begleitet wird sie von der aus Solothurn stammenden Musikerin und Komponistin  Christine Hasler.

Programmzettel

Grüne Steine

Ich lieb den Blick, den du auf mich hast
Ich lieb, dass du meinen Hintern magst
Ich lieb, dass du mich liebst
Auch wenn du‘s mir nicht sagst
Ich lieb den Blick, den du auf mich hast

Der nicht wertend ist
Und der erkennt
Mich in einer Art
Die es sonst nicht gibt

Ich lieb‘s, wie du mich siehst
Auch wenn du‘s mir nicht sagst
So weiß ich doch und spüre es
Ich mag, wie wir einander sehen
Aus der Ferne, von weit weg

Ich seh uns nebeneinandergehen
Am Bahnsteig
Und ich sehe uns
In deinem Bett

Ich seh dich und mich
Auf großen Felsen stehn
In hohen Höhn. Gleißend hell
Entsprechend weit die Sicht
In unsren Händen grüne Steine

Klare Steine
In unsren Händen
Fließend
Licht

Verena Stauffer erfindet das Liebesgedicht neu. Kiki Beach entführt in eine Welt von Annäherung und Begehren. Virtuelles Erleben, KI und Wirklichkeit verschwimmen, alles fließt ineinander und über in eine neue Offenheit. Von den Gedichten «Kinky Bitch» bis «Kiki Beach» befindet man sich auf einer Reise durch tatsächliches Erleben und sich öffnende
digitale Welten.

Während die reale Gegenwart sich zusehends verfinstert, wird in der digitalen nach Erleuchtung gesucht. Die politischen Krisen der Gegenwart treffen auf die Klimakrise. Sie schneiden ein. Massive gesellschaftliche Umwälzungen passieren. Verena Stauffers poetisches Credo ist es, in dieser Grausamkeit der Veränderungen kleine, schöne, verwunderliche, lustvolle oder schmerzhafte Begegnungen zu lichten und diese zu schattigen Schätzen zu schreiben.

Foto(c)Sasa Felsbach

Verena Stauffer

1978 in Kirchdorf an der Krems geboren wuchs im oberösterreichischen Molln auf. Sie studierte Philosophie an der Universität Wien.

2013 veröffentlichte sie erste literarische Texte, überwiegend im Literaturmagazin «Manuskripte». Für ihre vorwiegend in Anthologien publizierte Lyrik und Prosa erhielt sie mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Manuskripte-Förderpreis, den Rotahorn-Literaturpreis sowie Stipendien des österreichischen Bundeskanzleramtes. 2018 erschien im Wiener Verlagshaus Kremayr & Scheriau ihr Debütroman «Orchis» über die Abgründe der menschlichen Psyche, der im gleichen Jahr für den Literaturpreis Alpha, die Hotlist und den Blogger-Debütpreis nominiert war.

Stauffers Arbeiten wurden ins Englische, Polnische, Serbische, Rumänische und Russische übersetzt. 2020 unterrichtete Stauffer an der Universität Tomsk literarisches Schreiben Universität Tomsk, Sibirien. Im Jahr 2021 hielt sie als «Max Kade – Writer in Residence» eine dreimonatige Gastprofessur, ebenfalls für literarisches Schreiben, am Allegheny College, in Pennsylvania, USA.

Nach Auslandsaufenthalten in Deutschland, Russland und den USA lebt Stauffer gegenwärtig in Wien.

Zum Anfang