Babylon Park

Gerade in der Schweiz ist der Dialekt in den populären Bühnenkünsten allgegenwärtig. So im Rock oder in der sogenannten Kleinkunst. Ariane von Graffenried steht der Tradition des Spoken-Word-Genre nahe. Ihr Buch «Babylon Park» eröfnet die Saison 2026/27 des Lesezyklus Lesereise.

Die Schauspielerin Denise Hasler gestaltet die kurzen Prosatexte und Gedichte und der Berner Gitarrist Dimitri Howald begleitet sie dabei durch den Kosmos dieser faszinierenden Miniaturen.

Programmzettel

«Emmy
Du geisch früeh am Morge hei
Im Schlepptou dini Marionette
un es paar müedi Bei.
D Uhr bhouptet füfi,
es isch fascht häu.
Ds Jahrhundert erwachet
viu z schnäu
tigg, tagg
tigg, tagg
tigg, tag
»

«Babylon Park» ist, wie der Titel assoziiert, eine lustvolle Durchmischung von Sprachen: Berndeutsch wird angereichert mit englischen und französischen Ausdrücken, von Zeit zu Zeit wandert die Sprache ins Hochdeutsche, hie und da ragt abseits des Weges ein Sprachbrocken Bosnisch hervor. «Babylon Park» ist eine Art Kakophonie, wie sie das 21. Jahrhundert mit ihrer Globalisierung vor allem in den Städten hervorgebracht hat, wo sich Sprachen, Kulturen, Einflüsse vermischen und bereichern. Ariane von Graffenrieds Texte merkt man ihre Herkunft, dem Sprechgesang, an. Gerade deshalb faszinieren sie mit ihrer frischen Direktheit. Sie überschreiten – frei und fantasiereich – mit den Sprachgrenzen auch geografische Scheidelinien, fliegen vom Hochgebirge über das Agglo-Mittelland bis an die Meeresküsten.

Die literarische Durchquerung von Landschaften und Ländern führt zur Quersicht auf politische, soziale und persönliche Realitäten. Lustvoll in der Unterhaltung wie in der Polemik, mischt die Autorin Ästhetik mit Sozialkritik, Fantastisches mit Faktischem, Lachhaftes mit Bedenklichem. «Babylon Park« wird so zu einer lyrischen Comédie humaine.

«I füele mi wi nöi gebore u hüpfe mit mim nöie Spazierstock uf ere Strass ar e Wise verbi, wo Städter uf Stadtross über Hindernis gumpe. I fingen aus schön u liebenswärt u dänken a dä Maa, wo mir eis Mau uf ds Härz tschaupet isch, u schriben ihm gedanklech e Teggschtnachricht: «Mon petit choufleur, i ha di so gärn wi mis tote Füchsli oder win e Aprikose us em Büchsli.»
I fiele no chli a däm Satz u frage mi, öb Ironii am Änd cha zwanghaft si, so zwanghaft wi ds Spaziere.
»

Foto: (c) Alexander Jaquemet

Ariane von Graffenried

Ariane von Graffenried (* 1978) studierte Theaterwissenschaft, Englische Literatur und Medienwissenschaft und wurde an der Universität Bern über eine Arbeit über die Verwendung von Dokumentarfilmen im Theater promoviert. Sie erhielt 2018 das Stipendium Weiterschreiben der Stadt Bern sowie 2020 ein Stipendium vom Literarischen Colloquium Berlin (LCB).

Ariane von Graffenried ist Verfasserin von Erzählungen, literarischen Liedern, Lyrik, Spoken-Word-Texten, Theaterstücken, Essays und schreibt auch für Zeitungen.Mit dem Multiinstrumentalisten und Komponisten Robert Aeberhard bildet sie das musikalische Spoken-Word-Duo Fitzgerald & Rimini. Graffenried ist Mitglied der Autorengruppe «Bern ist überall» und Kuratorin des internationalen Lyrikfestivals Basel. In vielen ihrer Texte benutzt sie verschiedene Sprachen als Stilmittel. Oft sind die Texte für den performativen Vortrag gedacht. 

Sie erhielt 2013 den Gottfried Keller-Preis, 2017 den Literaturpreis des Kantons Bern (für Babylonpark) und 2022 den grossen Literaturpreis von Stadt und Kanton Bern 

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