Berlin Alexanderplatz - 1.1.27

Eine Lesung aus einem Weltroman eröffnet das  neue Jahr: «Berlin Alexanderplatz» von Alfred Döblin.  Mit diesem literarischen Monument aus dem 20. Jahrhundert wird Jens Wachholz die Bühne des  Theaters Delly betreten. Und mit ihm kommt auch der wunderbare Berliner Dialekt in die Lesereise.

Für die musikalische Atmosphäre sorgt Ben Jeger mit seinem Akkordeon.

«Ick sach dir, Franz, so jeht det nich weiter. Ick kenn dir doch, du bist keener, der uff Dauer anständig bleibt, det haste doch selber nich im Kopp. Erst willste’n ordentlicher Mensch sein, und denn kommste wieder in so’n Schlamassel rin. Wat soll’n det werden? Det Leben is keen Zuckerschlecken, und Berlin frisst dir uff, wenn de nich uffpasst. Ick mein et ja bloß jut mit dir, aber so, wie du dir det vorstellst, klappt det nich.»

Döblin erzählt die Geschichte des Lohnarbeiters Franz Biberkopf, der seine Freundin erschlagen hat und nach verbüsster Haftstrafe ein anständiges Leben führen möchte. Im stilisierten Kampf gegen die Metropole Berlin droht der unbelehrbare Biberkopf unterzugehen. Nach seinem Scheitern, ein geregeltes Leben zu führen, lässt er sich auf die Bande um Reinhold ein, die Einbrüche verübt. Ein Anschlag im Fluchtauto hinterlässt ihn verkrüppelt, doch er schließt sich erneut der Bande an und beginnt eine Beziehung zur Prostituierten Mieze. Ihre Ermordung durch Reinhold fügt ihm den entscheidenden Schlag zu. Er gerät unter Tatverdacht, wird verhaftet und gelangt schließlich als Patient in eine Irrenanstalt. Dort wird er vom Tod geläutert und erkennt seine eigenen Verfehlungen an. Nach der Entlassung beginnt Franz ein neues Leben als
Hilfsportier.

Der Roman zeichnet sich durch mehrere Sprachenmodi, Sprachebenen, Slangs und Dialekte aus. Hier sind vor allem „die Sprache der kleinen Leute und Ganoven, der weisen Juden und der irritierten Ärzte, der behördlichen Verordnungen und der statistischen Mitteilungen, der Zeitungen und der Reklamen, der politischen Parteien und Bewegungen, der Bibel und des Bänkelsangs, der klassischen Dichtung und des militaristischen Liedguts“ zu nennen. Der Protagonist Franz Biberkopf selbst sowie die sonstigen Figurenberlinern, und aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Unterschicht, der Halbschattenwelt und dem Zuhältermilieu ist die Sprache der Figuren durchsetzt vom Rotwelsch.

Alfred Döblin

Alfred Döblin, geboren am 10. August 1878 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Stettin. 1888, nachdem der Vater die Familie verlassen hatte, zog die Familie nach Berlin. Dort studierte er Medizin, daneben erste literarische Tätigkeit. Von 1905 – 1933 arbeitete er als Nervenarzt in Berlin.

Er war einer der führenden Vertreter der expressionistischen Literatur, u.a. engagierte er sich auch in der expressionistischen Zeitschrift «Der Sturm». 1918 stand er der USPD nahe und engagierte sich bis 1933 für die Weimarer Republik.

1929 erschien «Berlin Alexanderplatz und machte ihn schlagartig populär. Erste Verfilmung 1931, in der Hauptrolle Heinrich George.

1933 emigrierte Döblin nach Paris, wurde französischer Staatsbürger, musste aber 1940 vor der Wehrmacht fliehen. Über Spanien und Portugal gelangte ihm die Flucht nach Amerika. Nach dem Krieg kehrte er als französischer Offizier nach Deutschland zurück. Er war Herausgeber der Literaturzeitschrift «Das goldene Tor» (1946-1951) und Mitbegründer der Mainzer Akademie (1949). 1953 übersiedelte er, enttäuscht von der Restauration in Deutschland wieder nach Paris.

Er starb am 26. Juni 1957 in Emmendingen bei Freiburg.
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