S'Wätter vo geschter

Roman von Hansjörg Schertenleib

S’Wätter vo geschter ist der erste Mundart-Roman von Hansjörg Schertenleib. Es ist ein Roman, der thematisch und  ästethisch wie geschaffen ist für eine szenische Lesung im Rahmen der Lesereise.   

Die Schauspielerin Eveline Ratering und der Schauspieler Samuel Streiff, beide mit langjähriger Erfahrung als Sprecherin und Sprecher , u.a. in der Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte Zürich (SBS), sind zum ersten Mal bei der Lesereise im Theater Delly zu Gast.

«Miini Muerter hät es ganz weichs Gsicht übercho, wänn sie gläse hät, weich und sanft, und ich han gseh, sie isch inere andere Wält. Das hät min Vater, wo nüüt gläse hät, total uufgregt. Debii ischer nur niidisch gsi, villicht sogar  iifersüchtig.»

Thomas sitzt am Totenbett seiner Frau Gaby, die vor wenigen Minuten nach langer Krankheit gestorben ist. Er bringt es nicht übers Herz, jemanden anzurufen, nicht einmal ihren Sohn Lino in Mexiko. Er will noch etwas Zeit mit ihr allein verbringen, um Abschied zu nehmen, um sich zu fassen, um sich an ihre gemeinsame Geschichte zu erinnern und sich die Beichte anzuhören, die sie ihm auf Kassette hinterlassen hat. Eine Beichte, die ein Geheimnis offenbart, das ihre Ehe wohl zerstört hätte, hätte er es früher erfahren.

Hansjörg Schertenleibs erster Mundartroman erzählt humorvoll, zärtlich, mit viel Lebenserfahrung sowie einer gehörigen Portion Wut von einer geglückten Liebe und von den allerletzten Dingen. Seine poetische, bildgewaltige und unzimperliche Sprache macht das Schwere leicht und bringt es zum Schweben.

zurück

«Jajaja, ich lüüt em Lino jetzt grad a, versproche, s’isch immer no huere früch z’Mexiko. Läck, wie söll em das säge? Diinı Muetter isch tod. Gschtorbe. Es isch verbii. Seich, Ah chumm, wach doch bitte eifach wieder uuf, mir händ doch noch so vill vor! Du hettsch ja chöne wohne im Näscht. Am Sunntig bisch mängisch de ganz Tag nöd uufgsschtande. Fuuli Täsche, ehrlich! Und dis ewige Theater mit em Chüssi!»

© Brigitte Haas

Hansjörg Schertenleib

geboren 1957 in Zürich. Ausbildung zum Bleisetzer und Typographen. Besuch der Kunstgewerbeschule Zürich. Seit Frühling 1982 freier Schriftsteller. 1992/1993 Hausautor am Theater Basel, für das er «Schilten» von Hermann Burger und «Mars» von Fritz Zorn dramatisierte.

Veröffentlichte vierzehn Romane, drei Bände mit Erzählungen, drei Novellen, eine Gespenstergeschichte, drei Gedichtbände, zwei Jugendbücher, ein Kinderbuch sowie zwei Maine-Krimis, die in ein Dutzend Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet worden sind. Seine
Theaterstücke wurden an Bühnen auf der ganzen Welt aufgeführt, seine Hörspiele in zahlreichen europäischen Ländern gesendet. Seit 1999 übersetzt er aus dem Englischen, etwa Sam Shepard, Eoin McNamee und John Knowles.

Lebte in Wien, London, Boston und Berlin, und wanderte 1996 ins County Donegal in der  Republik Irland aus, wo er 2003 die irische Staatsbürgerschaft erhielt. 2016 zog er für vier Jahre nach Spruce Head Island in Maine, seither lebt er mit seiner Frau im Morvan im Burgund.

zurück